Strategien für Millionen
Professor Jürgen Schmude von der LMU zeigt Schülern in Mindelheim, wie eine Region Touristen anlocken kann. Von Florian Zick
Großevents, da kennt man in Mindelheim vor allem eines: das Frundsbergfest. Und das würde in der Matrix von Jürgen Schmude irgendwo in der Mitte stehen: periodisch wiederkehrend, eine Mischung aus Geschichtsstunde und Flucht in eine andere Welt.
Schmude ist Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er leitet den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeografie und Tourismusforschung. Und er hat ein Raster entwickelt, durch das man jede Großveranstaltung einem bestimmten Typus zuordnen kann, nach Art und Häufigkeit.
Seit drei Jahren kommt Schmude regelmäßig nach Mindelheim ans Maristenkolleg. Das hat sich so ergeben, nachdem mit Marco Bäumler, ein ehemaliger Student Schmudes, dort als Lehrer angefangen hatte. Bäumler bietet derzeit einen wissenschaftlichen Kurs – „W-Seminar“ genannt – an, dieses Mal zum Thema „Sport- und Eventtourismus im Voralpenland“. Eine Schülerin schreibt dabei zum Beispiel eine Seminararbeit über das Skiopening mit Roxette in Ischgl. Jürgen Schmude und seine Tourismusforschung passen da dieses Jahr also besonders gut dazu.
Geografie sei mehr als „Stadt, Land, Fluss“, sagt Schmude bei seinem Vortrag in der Schulaula. Die Zeiten, als nur Seydlitz-Karten auswendig gelernt wurden, seien vorbei: „Geografie ist mittlerweile das schönste Fach, das man studieren kann.“ Tourismus sei auch aus wissenschaftlicher Sicht ein sehr spannendes Feld, sagt Schmude. „Überall, wo es Probleme gibt, denkt man, diese mit Tourismus lösen zu können.“ Städtetourismus, Badetourismus, Skifahren und Wandern in den Bergen. Mancherorts habe der Tourismus aber schon überhandgenommen. In Les Eyzies zum Beispiel. Dort werden Touristen nur noch durch einen Nachbau der berühmten Höhlen geleitet, weil die feuchte Atemluft der Besucher die Wandmalerei der Steinzeitmenschen zu stark angegriffen hat.
Wo es nicht so läuft, können Events wieder mehr Besucher anlocken. In München zum Beispiel hat die „Lange Nacht der Museen“ ganze Menschenmassen in die Ausstellungen gelockt. Manche Veranstaltungen rechnen sich dabei erst auf den zweiten Blick. Wissenschaftliche Studien zu diesem Thema sind selten, weshalb Schmude zur Illustration eine aus dem Jahr 1986 heranziehen musste. Damals fand in Ostbayern das Asam-Jahr statt. Den 1,13 Millionen D-Mark an Kosten stand am Ende ein Umsatz in Höhe von 718 000 D-Mark gegenüber. „Wenn man kurzsichtig rechnet, könnte man sagen, diese Veranstaltung hat 400000 Miese gemacht“, sagt Schmude. Dabei würde man allerdings übersehen, dass 240000 zusätzliche Übernachtungsgäste den Hoteliers in Ostbayern 21,4 Millionen D-Mark in die Kassen gespült haben und 78000 Tagesbesucher weitere drei Millionen für Essen und Einkäufe da gelassen haben.
Für Bürgermeister und Landräte dürfte das eine interessante Rechnung sein. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, sagt er, „können Events ein gutes Instrument sein, um den Tourismus zu unterstützen“.