Mut haben, den eigenen Verstand zu benutzen
Am Maristenkolleg Mindelheim haben 92 Schüler ihre Reifezeugnisse erhalten. In den Abschlussreden klangen durchaus nachdenkliche Töne durcH
Mindelheim In der gymnasialen Zeitrechnung wird das Jahr 2011 gewiss als ein historisches eingehen. Darauf hob Oberstudiendirektor Gottfried Wesseli zu Beginn in seiner Rede zur Verabschiedung des ersten G8-Jahrgangs an und sprach von einer „Beschleunigung der Reifezeit“ für die 92 allesamt erfolgreichen Abiturienten. Der Abiturschnitt liegt bei 2,38. 23 Schülerinnen und Schüler haben die begehrte Eins vor dem Komma. Das beste Abitur dieses Jahrgangs legte Niklas Gebhard mit einem Notendurchschnitt von 1,2 ab.
Wesseli warnte in seiner Rede vor der nicht mehr zu besiegenden Vorstellung, die durch Fernsehsendungen wie „Wer wird Millionär“ genährt würde, nämlich dass Bildung mit dem simplen „Upload“ von lexikalischem Wissen gleichzusetzen sei. „Man konnte Kolumbus Schiffe geben, aber ihm nicht befehlen, Amerika zu entdecken“, mit diesem Zitat Mark Twains machte Wesseli den Unterschied deutlich. Das Motto für den weiteren Weg der jungen Leuten fand Wesseli bei Immanuel Kant: „Sapere aude!“, was so viel bedeute wie „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Zum eigenen Denken zu erziehen, das sei Aufgabe der Schule und damit das Rüstzeug mitzugeben, um im Leben und Beruf bestehen zu können.
Der Rede des Schulleiters folgten Grußworte von Mindelheims Bürgermeister Dr. Stephan Winter und der Elternbeiratsvorsitzenden Dr. Christine Döring-Coen. Winter verwies darauf, dass man bei allem Stolz über das Erreichte, das man getreu nach Goethe in Form des Abiturzeugnisses schwarz auf weiß nach Hause tragen könne, die Lust und die Neugier auf Künftiges und Neues, insbesondere, was die Gesellschaft ausmache, wachhalten solle. Döring-Coen thematisierte noch einmal die forcierte Metamorphose, auf die die Politik die Schüler nur unvollkommen vorbereitet habe und verglich die Entwicklung sinnbildlich mit der „Raupe Nimmersatt zum Schmetterling“.
Passend zum Kontext klangen die Reminiszenzen der Schülervertreter Sabrina Ludsteck, Georg Wiedemann und Andreas Weber differenziert bis launisch, wenn sie etwa die rhetorische Frage stellten „Wer braucht als Kind schon Zeit, wenn er zur Schule geht“. Und dort treffe man nicht unbedingt immer Leute, die man auch treffen wolle. Andererseits kamen sie zu dem Schluss, dass sich die acht Jahre schulischer Prägung schon gelohnt hätten.
Zur Zeugnisübergabe hatten sich die Schülerinnen und Schüler einen besonderen Scherz ausgedacht. Synchron zur Übergabe aus der Hand des Schulleiter waren auf der dahinter befindlichen Projektionswand entsprechende Erstklässlerbilder zu sehen.
Abschließend ehrte Prof. Dr. Herbert Schreiber vom Verein der Freunde und Förderer des Maristenkollegs Isabella Nieberle und Alexander Bauer für ihr besonderes Engagement für die Redaktion der Schülerzeitung. Dabei erwähnte er, dass der Verein dabei sei, sich als Stiftung umzufomieren und dazu auf breite Unterstützung angewiesen sei. Engagiert zeigte sich auch Blechbläserseptett des Maristenkollegs, das die Programmpunkte der Veranstaltung niveauvoll musikalisch verband.