„Philosophie für alle, die noch etwas vorhaben“

Dr. Wolfram Eilenberger hat den Nerv der Maristenschüler getroffen. Dafür erhielt er den Mindelheimer Philosophiepreis

Mindelheim Philosophie macht nicht unbedingt glücklich, aber das Leben interessanter. Sie gleicht einem Spiel, dessen Gewinn eine bessere, alles im Fluss haltende Welt ist. Die Weisheit, dass alles im Leben fließt, haftete wie maßgeschneidert auch dem Festakt zur Verleihung des mit 5000 Euro dotierten und von Maristen-Schulbrüdern und Vereinigten Wertach-Elektrizitätswerken gesponserten Mindelheimer Philosophiepreises an. Der ging in diesem Jahr an den Publizisten Dr. Wolfram Eilenberger.

Zahlreiche Ehrengäste hatten sich in der Jesuitenkirche eingefunden, um dem Preisträger zu gratulieren. Der eigens aus Toronto angereiste Gelehrte hatte mit seinem auch für junge Leute verständlich geschriebenem Buch „Philosophie für alle, die noch etwas vorhaben“ exakt den Nerv der Jury getroffen. Wer darin blättert, findet mit Wittgenstein neue Freunde, kommt mit Kant auf den Hund, heiratet mit Nietzsche oder fährt mit Aristoteles Fahrrad.

Eine Meisterleistung der Logistik

Stadt, Kulturamt und Maristenkolleg messen der Auszeichnung große Bedeutung zu. Soll sie doch Jugendliche für die wegweisende Philosophie begeistern. Aus der Taufe gehoben hat das „gemeinsame Kind“ von Stadt und Schule der Religionslehrer Hubert Stelzer. Als „Spiritus Rektor“ sorgte er dafür, dass auch die Verleihung des zweiten Philosophiepreises stilvoll und mit einem bunten Programm über die Bühne ging. Was Stelzer und sein Team lieferten, darf man getrost „Meisterleistung an Logistik“ nennen. So sah es auch Martina Dege. Die Vizevorsitzende des Deutschen Fachlehrerverbandes „Philosophie“ zeigte sich beeindruckt von dem Projekt. „Bei uns in der Großstadt Hamburg wäre so etwas nicht möglich“, staunte sie.

Der Weg des Preisgerichts – sieben Schüler der Klassen 11 und 12 stellten sich dafür zur Verfügung – war mit 100 Büchern gepflastert, „die wir über Monate sichten, lesen und bewerten mussten“, berichteten Lara Wiedemann und Alexander Fey. „Das Buch von Dr. Eilenberger hat uns alle angesprochen. Er hat in 25 Kurzgeschichten Alltagssituationen philosophisch verständlich aufgearbeitet“, fanden die Juroren. Begeistert über das Engagement äußerte sich Weihbischof Anton Losinger. Der Schirmherr mahnte mehr Verlässlichkeit in der Pädagogik an und zitierte dazu Pestalozzi: „Das einzig wirksame Instrument des Pädagogen ist das gelebte Beispiel“. In der Religionslehre, so der Oberhirte weiter, müsse die Suche nach geistiger Heimat stets Vorrang haben.

Die Zukunft der Gesellschaft ist in Schulen wie dem Maristenkolleg in guten Händen, fanden Landrat Hans-Joachim Weirather und Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert. Beide sahen in dem von Schülern vergebenen Preis eine „wirksame Waffe“ gegen die Reizüberflutung durch Computer und Medien.

Nach den geistigen warteten leibliche Genüsse in den Museen. Dort gab es auch zehn kleine Ausstellungen zu bewundern. Maristenschüler zeigten, wie sie es sehen, wenn alles fließt. „Vom Wasser haben wir’s gelernt, es hat nicht Ruh bei Tag und Nacht, ist stets auf Wanderschaft bedacht“ sang die Chorklasse und lieferte damit eine Steilvorlage für die Rede des Preisträgers. Dr. Wolfram Eilenberger nahm den Ball geschickt auf und bemerkte sicher nicht ohne Hintergedanken: „Weil von der Jugend verliehen, ist der Mindelheimer Preis der einzige auf Erden, den ein Philosoph guten Gewissens annehmen kann.“ Da gab ihm Bürgermeister Stephan Winter Recht. Die Maristenschüler hätten einmal mehr bewiesen, dass das Lamento über die Jugend von heute unberechtigt ist.

Ein Interview mit dem Preisträger finden Sie auf »Seite 26

Zeitungsbericht der Mindelheimer Zeitung vom 03.06.2011
 

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