Nur ein Mausklick bis zum Grauen
Kriminalhauptkommissar Rainer Richard klärt Eltern über die Gefahren im Internet auf Von JAB
Mindelheim Laut Statistik steht in 80 Prozent der deutschen Kinderzimmer ein Computer mit Internetanschluss. Oftmals haben die Kinder unbeaufsichtigten Zugang zum World Wide Web. Doch was sie dort zu sehen bekommen, wissen die Eltern meistens nicht. Bei einem Vortrag, organisiert von der Hanns-Seidel-Stiftung, konnten sich Eltern, in der Aula des Maristenkollegs, über Kriminalität im Internet informieren.
Kriminalhauptkommissar Rainer Richard berichtete unter dem Motto „Nur ein Mausklick bis zum Grauen“ über die Gefahren, die im Internet auf Kinder und Jugendliche lauern und wie man ihnen als Eltern entgegenwirken kann. Richard ist Internetfahnder beim Polizeipräsidium in München und selbst Familienvater.
In der heutigen Zeit werden Jugendliche und Kinder in Deutschland durch die Jugendschutzgesetze vor gewaltverherrlichenden und pornografischen Darstellungen geschützt. „Doch leider hört das Internet in Deutschland nicht auf“, so Richard. Mit nur wenigen Klicks landen Kinder auf Seiten aus anderen Ländern, wie den USA oder Spanien, wo es solche Bestimmungen nicht gibt. Immerhin zeige heute jede fünfte Seite Pornografie.
Zahlreiche sexuelle Missbräuche im Chat aufgedeckt
Eine große Spielwiese für Pädophile sei beispielsweise der Chat. Seit Jahren beobachten Rainer Richard und sein Team unter Pseudonymen solche Chaträume. Dabei deckten sie zahlreiche sexuelle Missbräuche von Kinder und Jugendlichen auf. In der Regel seien die Eltern die letzten, die von einem solchen Geschehen erfahren.
Rat der Polizei: Niemals echte Daten verwenden
Eine weitere Gefahr seien die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Lokalisten. Rainer Richard rät: „Niemals echte Daten angeben.“ Da man als User nie weiß, wer sich hinter den Pseudonymen verbirgt, sei es ratsam nur Informationen anzugeben, die keinerlei Hinweis auf die eigene Identität geben. Somit kann auch Cyber-Mobbing – Beleidigungen über moderne Kommunikationsmittel – größtenteils verhindert werden. „Denn erschreckende Zahlen sagen, dass bereits jedes dritte Kind schon einmal Opfer von Cyber-Mobbing wurde.“ so Richard „Die Täter tauchen meistens unbehelligt im Schutz der Anonymität des Internets ab.“
Zweifelhafte Rollenmuster, Nachahmungsgefahr, Abstumpfung gegenüber Gewalt sowie körperliche Schäden nennt Richard als Folgen der Gefahren. Generell würden die Gefahren im Internet immer noch unterschätzt. Daher sei es wichtig als Eltern selbst den Umgang mit dem PC und Internet zu erlernen. Nur so sei es möglich die eigenen Kinder zur Medienkompetenz zu erziehen.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser
Wichtig sei auch den Internetzugang der Kinder zu kontrollieren und technische Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Empfehlenswert sei eine Filtersoftware, die es teilweise sogar kostenlos gibt. Laut Richard verschweigen Kinder ihren Eltern oft die Probleme, aus Angst vor Strafen und Verboten.
Generell sollten Eltern den Kindern mit Verständnis und Zuwendung beim Thema Internet begegnen und immer das Gespräch mit ihnen suchen. (jab)