Bildung braucht Bindung
Viel Freude, aber auch kritische Worte bei der Entlassfeier des letzten G9-Jahrgangs am Maristenkolleg
Mindelheim Das Szenario: Stolze Eltern und Geschwister, zufriedene Lehrer, erwartungsvoll dreinblickende Ehrengäste und festlich gekleidete junge Leute, denen Freude ins Gesicht geschrieben stand. Die Rede ist von der Abiturfeier des Maristenkollegs. Stilvoll verabschiedeten sich die Absolventen des letzten „G9-Jahrgangs“. Für die passende Begleitmusik bei der Feier sorgten Big-Band und Instrumental-Ensemble der K 13.
„Halleluja“ sang Dimitri Dumonet und seine 135 Mit-Abiturienten stimmten in den Jubelruf ein. „Gott sei Dank, endlich geschafft.“ Doch nicht nur die Absolventen, auch die Schule hatte Grund zum Feiern. Gab sie doch auf den Tag genau vor 85 Jahren die Losung aus: „Mit vereinten Kräften zum Wohle der Jugend“. Man habe versucht, so Schulleiter Gottfried Wesseli, in den Abiturienten drei Töne zum Klingen zu bringen: Achtsamkeit, Bildung und Initiative. Dieser Dreiklang habe es den Gymnasiasten ermöglicht, ihre ganz persönliche Lebensmelodie zu komponieren.
Auf das Thema Bildung legte der Oberstudiendirektor besonderes Gewicht. „Bildung braucht Bindung an Menschen und Orte“, machte er deutlich und nannte das Maristenkolleg „eine Stätte lebendiger Bildung“. Wir Lehrkräfte haben uns stets bemüht, Bildungszeit für die Schüler als Lebens- und Lehrzeit erfahrbar zu machen“, versicherte Wesseli. Kritisch beurteilte der Schulleiter die „Bildungspolitik der rasch wechselnden Garde bayerischer Kultusminister. „Sie war nicht immer der Weisheit letzter Schluss“, urteilte er und unterstrich: „Die Lehrkräfte des Maristenkollegs sind sich darüber im Klaren, dass Bildung keiner Befüllung bedarf, sondern reifen muss und daher Zeit braucht.“
Staatssekretär Franz Pschierer beglückwünschte die Schule zu ihrem 85-jährigen Bestehen. Den Abiturienten schrieb der CSU-Politiker ins Stammbuch: „Das Reifezeugnis ist nicht nur eine Zugangsberechtigung zur Hochschule, sondern ein wertvolles Fundament, auf das man ein Leben lang aufbauen und stolz sein kann.“ Bürgermeister Dr. Stephan Winter appellierte: „Verlieren Sie über beruflichem Erfolg, gesellschaftlicher Anerkennung und dem Bemühen, schnell ans Ziel zu kommen, nie die sozialen Tugenden aus den Augen.“
Ähnlich äußerte sich auch Heidi Zacher. „Lebensqualität lässt sich nicht an Konto und Karriere festmachen“, gab die stellvertretende Landrätin zu bedenken. Nachdrücklich warb sie für ehrenamtliches Engagement neben Schule und Beruf.
Die Eltern gaben Wurzeln und Flügel
Für den Elternbeirat gratulierte Bernhard Lauerer: „Auch wenn mal Misstöne auftreten, ist das Spiel des Lebens längst nicht verloren“, bedeutete er. Bevor die Lehrkräfte von den Schülern mit Dank eingedeckt wurden und es für sie Geschenke „regnete“, ließen Katja Mayer und Ralf Zuchtriegel den „grauen Schulalltag“ Revue passieren und malten ihn in allen Farben aus. Ihrem Dank an Eltern und Pädagogen schlossen sich auch alle Grußredner an. „Wir haben von ihnen Wurzeln und Flügel bekommen“, erklärten die beiden Schülersprecher.
Schließlich wurden dann die ersehnten Zeugnisse verteilt. Besonders geehrt wurde als Jahrgangsbeste Verena Haggenmüller. Sie „baute“ ihr Abi mit einem Durchschnitt von 1,1. Bücher und Stipendien für herausragende Leistungen vergaben zudem die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die deutsche Mathematiker-Vereinigung an 20 Abiturienten. Mit dem „Praemium Athenae“ für die beste Lateinarbeit wurde Fiona Irsigler vom Altphilologenverband belohnt. Von Professor Dr. Herbert Schreiber, dem Vertreter des Kuratoriums „Freunde und Förderer des Maristenkollegs“ wurde Katja Mayer ausgezeichnet. Gewürdigt wurde das langjährige und vielfältige schulische und soziale Engagement der jungen Frau.
Scheiden von der „Penne“ tut nicht so weh, wenn es durch einen zünftigen Abiturball versüßt wird. Der fand in der Stadthalle Memmingen statt. Acht der Abiturienten ließen sich mit einer Stretch-Limousine dorthin chauffieren.