Wo Erwachsene nichts zu sagen haben
Im Juni wird zum zweiten Mal der Mindelheimer Philosophiepreis vergeben. Die Jury besteht aus sieben Schülerinnen und Schülern des Maristenkollegs. Sie hatten 70 Bücher zur Auswahl.
Mindelheim Der Countdown für den Mindelheimer Philosophiepreis läuft. Bis zum 21. März müssen sich die sieben jungen Jurymitglieder durch jedes der fünf Bücher durchgearbeitet haben, die auf ihrer „Shortlist“, der engeren Auswahlliste, stehen.
Bereits seit einem Jahr lesen sie, dass die Köpfe rauchen. Die angeschriebenen Verlage haben insgesamt 70 Bücher mit philosophischer Jugendliteratur eingesandt, die alle auf ihre Eignung für den Preis geprüft werden mussten. Fünf sind übrig geblieben, jetzt geht es in die Zielgerade.
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Im Gespräch mit Lara und Elisa fällt der Satz: „Das Ganze bedeutet viel Verantwortung und macht schon sehr viel Arbeit, aber auch großen Spaß.“ Welche Kriterien legen sie bei der Auswahl an? „Jugendliche müssen sich von dem Text angesprochen fühlen. Er muss verständlich und gut lesbar sein, und er soll zum Denken anregen“, sagt Elisa. Es gehe ihnen nicht um fertige Antworten, sondern um Fragen und um Anstöße zur Auseinandersetzung mit den großen Lebensthemen.
Keineswegs sind sich die sieben immer einig. Philosophielehrer Hubertus Stelzer, der die Gruppe intensiv betreut und auf dessen Initiative der Preis zurückgeht, stellt fest: „Da können die Meinungen durchaus konträr sein.“ Dann wird diskutiert. Wer die besseren Argumente hat, setzt sich durch.
Die Rede des Preisträgers steht im Mittelpunkt
Die übrigen Schüler des Praxisseminars, in dessen Rahmen das Projekt stattfindet, kümmern sich indessen um die Kontakte zu den Verlagen, die Gespräche mit möglichen Sponsoren und die Vorbereitung der Preisverleihung am 1. Juni.
Sie soll ein fröhliches, buntes, kulturelles Ereignis mit Musik, Tanz, Theater und Bewirtung werden. Im Mittelpunkt wird die Rede des Preisträgers stehen. Vier der fünf Autoren von der Shortlist haben bereits erfreut ihr Kommen zugesagt, falls sie gekürt werden. Es sind Wolfram Eilenberger (Kanada), Rainer Erlinger (Berlin), Nicholas Fearn (London) und Brigitte Labbé (Paris). Lediglich William Irwin, der in Pennsylvania lebt, könnte nicht anreisen.
Der Mindelheimer Philosophiepreis ist in seiner Art einmalig im gesamten deutschsprachigen Raum. Philosophielehrer Hubert Stelzer bestätigt das Engagement, das die Jugendlichen dabei an den Tag legen: „Junge Menschen wollen mehr als Party, Spaß und Unterhaltung. Sie wollen auch wissen, wo es mit ihnen und ihrer Welt lang geht.“
Welche Bedeutung dem Preis auch überregional zukommt, beweist übrigens die Reaktion auf die Vergabe an Stephen Law im Jahr 2009: Der Eichborn Verlag, in dessen Philosophiereihe das Buch erschienen ist, wollte die Reihe eigentlich einstellen. Nach der Preisverleihung war das Buch schnell ausverkauft und musste neu aufgelegt werden. Nun gibt der Verlag seiner Nischenliteratur doch noch eine Chance.