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Die Polizei kontrollierte Schüler vor dem Maristenkolleg nach Mängeln an ihren Fahrrädern

Zeitungsbericht der Mindelheimer Zeitung vom 14.07.2010


Fast kein Fahrrad war einwandfrei

Mindelheim 7.15 Uhr, Polizeieinsatz am Ausgang Schwabenwiese. Zwei Polizeifahrzeuge sind vorgefahren. Vier uniformierte Beamte steigen aus. Sie warten auf eigentlich harmlose Kundschaft, die bald auch einzeln und pulkweise anrollt. Es sind Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zum Maristenkolleg, die per Mofa oder Fahrrad unterwegs sind.

Bis kurz vor Schulbeginn halten die Beamten immer wieder Kinder und Jugendliche an. Sie fragen nach Licht, Bremsen, Klingeln. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast keiner ist mit einem technisch einwandfreien Fahrrad unterwegs. Beim einen fehlt die Glocke, beim Nächsten geht keine Vorderbremse und zwei Reflektoren pro Reifen haben auch nur die Wenigsten vorzuweisen. Vorder- und Rücklicht funktionieren auch oft nicht. Und manche wissen nicht einmal, wo sie beim Dynamo drücken müssten, damit dieser für Energie sorgt.

Andere sagen, sie hätten das Stecklicht daheim gelassen. Jetzt im Sommer müsse er doch kein Licht dabei haben, argumentiert einer. Doch, sagt Polizeihauptkommissar Josef Eberhard, das sollte man schon. Abends könne es schnell dunkel werden.

Die Beamten wollen aufklären, Bewusstsein schaffen, nicht bestrafen. Eine kostenpflichtige Verwarnung spricht Konrad Baur nur in einem Fall aus. Fünf Euro knöpft er einem 20-Jährigen ab, weil dieser mit einem Rad unterwegs ist, das gleich mehrere Defekte aufweist. Die Vorderbremsen zum Beispiel waren vollkommen unbrauchbar.

Die Polizei kontrolliert aus gutem Grund. Radunfälle sind eines der Dauerprobleme im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West. Deshalb ist diese Woche zur Aktionswoche Fahrradkontrolle ausgerufen worden.

Mindelheim macht bei der Zahl der Unfälle keine Ausnahme. 125 Unfälle mit Radfahrern hat es im vergangenen Jahr 2009 im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Mindelheim gegeben. 34 Menschen wurden schwer verletzt. Für eine Frau kam jede Hilfe zu spät.

Drei Viertel der Unfälle geschehen im Stadtgebiet der Kreisstadt. Viel seltener kracht es in den Dörfern. In Mindelheim gibt es zwar keinen besonderen Brennpunkt, wie Eberhard berichtet. Aber es fehlt ganz offensichtlich bei vielen Kindern, Jugendlichen und Eltern am Bewusstsein dafür, dass Räder in einwandfreiem Zustand sein sollten.

Aber es ist nicht alles schlecht. Verbessert gegenüber früheren Jahren hat sich deutlich die Einsicht, dass es gut ist, einen Helm zu tragen. Vor allem jüngere Radfahrer sind an diesem Morgen sehr häufig mit Kopfschutz unterwegs. Ein Bursche allerdings setzte sich sein Exemplar allzu locker auf seine Mütze - bei einem Unfall wäre dieser Art Schutz nutzlos.

In Absprache mit den Schulen dürfen einzelne Verkehrssünder auch mal einen Aufsatz schreiben. Ich und mein Fahrrad oder so ähnlich könnte dann der Titel lauten. Heiße Kandidaten sind vor allem auch jene, die freihändig oder auf Gehwegen durch die Gegend fahren. Die ertappten Radfahrer geloben an diesem Tag alle Besserung. Man darf gespannt sein, wie viel davon bei der nächsten Kontrolle zu merken ist.

Zeitungsbericht der Mindelheimer Zeitung vom 14.07.2010